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| Das Türkenbild in der Kunst Europas |
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Die Vorstellung, die die bildenden Künste von den Türken vermittelte, unterlag zwischen dem 15. und 19. Jh. einem vielfachen Wandel. Historische Ereignisse und Gegebenheiten spiegelten sich in den Darstellungen von Türken bzw. Orientalen ebenso wie geistesgeschichtliche und kulturelle Entwicklungen.
Das Feindbild im Zeitalter der Türkenfurcht Die Zeit der Türkenkriege, vor allem das 16. Jh., empfanden die Europäer als eine nicht enden wollende osmanische Siegesserie, während der sich ihre Fürsten nicht zur Gegenwehr aufraffen konnten. Vor allem die Bewohner der Grenzgebiete litten unter den ständigen Angriffen und Überfällen der Osmanen. Doch steigerte sich in ganz Ost- und Mitteleuropa die Türkenfurcht zu einer Art Massenpsychose. Aus dieser Epoche stammt ein von Entsetzen, Not und Ohnmacht geprägtes, hass- und angstverzerrtes Feindbild, das nicht zuletzt der Kriegspropaganda diente. Die in Flugblättern, Chroniken und Kriegszeitungen enthaltenen Holzschnitte charakterisierten die Türken nicht nur als wilde Krieger und grausame Barbaren, sondern gar als unmenschliche Tyrannen, denen keine Gräueltat zu übel war und die blutrünstig mordend durch die Lande zogen, der Menschheit Tod und Elend bringend. Hinzu kam, dass man die Andersgläubigen nicht nur als Heiden verachtete, sondern in ihnen die Inkarnation des Teufels, den “Erbfeind christlichen Blut und Namens“ sah. Die Türken wurden mit dem Antichristen der Apokalypse identifiziert, der den Weltuntergang ankündigte. Man glaubte, Gott habe diese Geißel als Strafe für den sündigen Lebenswandel der Christen geschickt. Auch Theologen wie Wie die Bilder des Sieges - Triumph und Spott Nachdem in den Türkenkriegen Ende des 17. Jh. der Befreiungsschlag gegen die türkische Expansion geglückt war, vollzog sich die Verarbeitung der Kriegserlebnisse und der Angstneurose, welche die Türkengefahr hinterlassen hatte, auch in der bildenden Kunst. Türkenschlachtbilder oder Belagerungsszenen schilderten den Kriegsverlauf. Auch repräsentative Triumphbilder entstanden, in denen die Sieger ihre Taten verherrlichen ließen, und die nun das Heldenzeitalter der zur Großmacht aufgestiegenen österreichischen Monarchie verkündeten. Auf allegorischen oder mythologischen Darstellungen triumphierten Kaiser und Feldherrn, oft in Gestalt von Heroen über besiegte Barbaren, die Tracht und Insignien des osmanischen Reiches als Türken auswiesen. Der einstmals so furchterregende Feind lag oder kauerte gefesselt, manchmal nackt, am Boden. Die Ereignisse fanden ihren Niederschlag auch in der Volkskunst. Spottschriften - Flugblätter, Zeitungen oder Spielkarten - waren mit Karikaturen von Reiseberichte und Gesandtschaften - Die Entdeckung eines neuen Orients Im 16. Jh. bahnten sich diplomatische Beziehungen mit dem Osmanenreich an. Diese intensivierten sich im 17. und vor allem im 18. Jh., nach dem Frieden von Karlowitz 1699. Die europäischen Staaten entsandten nun Botschafter oder sogar ständige Vertreter an den Bosporus. Auch Reisende und Künstler brachen zu Erkundungsfahrten ins Osmanische Reich auf. Ihre Berichte enthielten Informationen über den Lebensstil und bildliche Darstellungen aus dem Alltag der Osmanen. Diese wurden im Westen mit Neugier und zunehmender Begeisterung aufgenommen. Ein neues Interesse für die Kultur des ehemaligen Feindes erwachte. Zum regelrechten Bestseller entwickelten sich die postum publizierten Briefe von Lady Daneben fanden Kostümbücher, die sich mit der Kleidung der Osmanen, vor allem der Haremsdamen, befassten, bei Europas Adel reißenden Absatz. Teilweise dokumentarisch genau, bedienten sie doch auch die Freude der Europäer am Exotischen, Fremden und Kuriosen. Das berühmteste trachtenkundliche Werk war der nach seinem Auftraggeber Marquis Das 18. Jh. - Die Zeit der Türkenmode Im Verlauf des 17. und vor allem im 18.Jh., während der länger andauernden Friedenszeiten, mündete das Interesse der Europäer am Orient in eine schwärmerische Begeisterung, die Turkomanie. Zu diesem Wandel der Auffassung gegenüber den In der Malerei herrschte in dieser Epoche ein gänzlich anderes Türkenbild vor. Neben Porträts von - hauptsächlich vornehmen Orientalen - traten nun neue Türkendarstellungen mit exotischer Thematik. In heiteren Szenen bevölkerten galante Porträts à la turque Ab den 30er und 40er Jahren des 18. Jh., als die osmanischen Gesandtschaften in Paris und Berlin die Türkenbegeisterung noch verstärkten, war es in der Oberschicht en vogue, sich in türkischer oder vielmehr pseudo-türkischer Tracht porträtieren zu lassen. Einer der berühmtesten Maler dieses Genres war der “peintre turc“ Orientalismus und Exotismus im 19. Jh. Im späten 18. und 19. Jh. erfuhr das Türkenbild - der Türke stand nun als Synonym für den Orient, für orientalische Kultur und Lebensart schlechthin - eine erneute Umdeutung. Die Epoche des Orientalismus und Exotismus gab sich ganz der Faszination des Fremden hin. Doch entwarf sie ein quasimythisches Bild vom Orient, voller Klischees und Stereotypen, die dazu dienten, das Fremde den eigenen Vorstellungen zu unterwerfen oder entsprechend umzubilden. Indem man den Orientalen vor allem Irrationalität, Sinnlichkeit, eine gewisse Dekadenz, den Hang zur Ausschweifung, aber auch Grausamkeit unterstellte, wurde auf den Überlegenheitsanspruch der eigenen Kultur verwiesen. Zugleich imaginierte man einen Orient, der ausschließlich als exotische Kulisse für die eigenen verdrängten und gesellschaftlich nicht akzeptablen Wünsche und Sehnsüchte fungierte. Vor allem der mit Polygamie assoziierte |
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