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Kaynak (Quelle) : Vaybee.de

Die türkische Kinowelt erlebte in den 70er Jahren ihre Blütezeit, sie konnte der türkischen Kinogeschichte viel Neues bescheren. Die ersten Western- und Märchenfilme wurden in dieser Zeit gedreht, und viele heimische Filme wurden national und international ausgezeichnet.
Die 70er waren auch die Zeit, in der schwarz-weiß Filme immer mehr von der Bildschirmfläche verschwanden. Obwohl 1972 über 38 Prozent der produzierten Kinofilme in schwarz-weiß gedreht wurden, waren es ein Jahr später nur noch 14 Prozent. Im Jahre 1975 wurde die Produktion von schwarz-weiß Filmen gänzlich aufgegeben und alle 225 Kinofilme aus diesem Jahr wurden in Farbe gedreht.

Die erste Hälfte der 70er ist für das türkische Kino komplett als Orientierungsphase zu sehen. Schauspieler wie Arzu Okay, Murat Soydan, Tarik Akan, Serdar Gökhan, Gülsen Bubikoglu, Kemal Sunal, Müjde Ar und viele andere wurden in dieser Zeit für das türkische Kino entdeckt. Lale Oraloglu, Fikret Hakan, Türkan Soray, Ömer Kavur und Tunc Okan begannen ihre ersten Versuche als Regisseure.

In den 60er Jahren wurden ausländische Filme einfach kopiert und mit türkischen Darstellern nachverfilmt. Durch neue Schauspieler und Regisseure in der Übergangszeit zu den 70ern, gewann das türkische Kino zunehmend einen eigenen Stil. Während dieser schwierigen Übergangsphase änderte sich, bedingt durch gesellschaftliche Ereignisse, auch die Darstellung der Frau auf der Leinwand. War sie noch in den 60ern vielmehr als aufgedonnerte und überschminkte Haus- oder Ehefrau zu sehen, wurde sie in diesem Wendepunkt des türkischen Kinos, immer öfter als selbstbewusste, berufstätige und intelligente Frau gepriesen. Ebenfalls in dieser Zeit hat Cem Cakmali mit seinen Filmen "Cile" und "Zehra" den religiosen (islamischen) Aspekt auf die Leinwand getragen. Auch das Leben der Bevölkerungsgruppe, die sich als "Gastarbeiter" im Ausland niedergelassen hatte, diente für viele Filme als Thema. Sex-Streifen fanden in dieser Zeit ihren Anfang. "Parcala Behcet" von Regisseur Melih Gülgen, sollte der Vorreiter der Erotik Filme aus der zweiten Hälfte der 70er Jahre werden.

Ein weiteres Merkmal, das das türkische Kino der 70er Jahre geprägt hat, war die Politik. Die Bedeutung der Politik nahm in der Gesellschaft einen immer wichtigeren Platz ein. Zunehmende politische Akivitäten und wachsendes politisches Interesse spiegelten sich auch in der Kinowelt wieder. 1974 fing die Filmindustrie an, sich in Gewerkschaften zusammenzuschliessen; zusätzlich zur bestehenden Türkischen Arbeitergewerkschaft (Türk-Is) wurde die Gewerkschaft der "Kino-Rentner" (Fim-Sen) ins Leben gerufen. Yilmaz Güney, der Macho aus den 60ern, fing derzeit an, gesellschaftspolitische Filme zu produzieren. Die Kinohits "Umut" und "Arkadas" bildeten den Beginn eines neues Abschnitts. "Arkadas" wurde in Istanbul zum Kassenschlager, Filme von Tunc Okan und Yilmaz Güney wurden in Europa ausgezeichnet, und Kartal Tibet sowie Cüneyt Arkin galten in Historienfilmen als unverzichtbare Darsteller.