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Kaynak (Quelle) : Vaybee.de


Im ersten Teil unserer Serie "Die türkischen Filme der 70er-Jahre", berichteten wir neben der technischen Entwicklung des Films über die damaligen Newcomer im türkischen Kino. Schauspieler und vielversprechende Regisseure der 70er-Jahre hatten wir bereits vorgestellt. Im zweiten Teil werden wir über die Entwicklung der türkischen "Sexfilme" berichten, die in den 70ern ihre Geburtsstunde erlebten. Eine weitere Premiere in der Filmszene erlebte der türkische Porno, dessen erste Darstellerin Zerrin Dogan war.

In den 70er-Jahren, der Blütezeit erotischer Streifen, war der Trend nacktes Fleisch auf Zelluloid zu verewigen, aus den Staaten und Europa in die Türkei hinüber geschwappt.

1973 begann in der Türkei die Ära des Fernsehens. Dies war gleichbedeutend mit rückläufigen Zuschauerzahlen und einem wirtschaftlichen Einbruch der Kinobranche. Das Kino erlebte schwarze Zeiten. Familien blieben zuhause und genossen das "Hauskino". Um diese Krise zu überwinden, suchte man nach innovativen Konzepten, die die verlorengegangene Zuschauerschaft wiedergewinnen sollte. Es bot sich die Nische an, die das Fernsehen nicht ausreichend versorgen konnte oder wollte. Sex und Gewalt sollten den Kinobesucher ködern.

Die Kinomacher hatten die Zielgruppe des neu kreierten Kino-Trends genau vor Augen. Der "einfache Mann", der sich auch keinen Fernseher leisten kann, sollte angesprochen werden. Schnell entwickelte sich die Branche, Stars kristallisierten sich heraus. In den türkischen Kinoanfängen produzierte beispielsweise Melih Gülgen (1973) Sexfilme, Behcet Nacar übernahm die Hauptrolle in der TV-Serie "Parcala Behcet". Ein bekannter Vertreter dieser Filmgattung, die eher als Erotik-Komödie zu bezeichnen ist, war Semet Serden. Später folgten Schauspieler wie Ali Poyrazoglu, Aydemir Akbas, Hadi Caman, Mete Insesel, Ihan Daner und Alev Sezer.

Vor allem Theaterschauspieler wie Bülent Kaybas boten sich an, wenn es darum ging, erotische Szenen zu besetzen. Einer der sich besonders hervor tat, war Behçet Necar. Er spielte in der erotischen Serie "Parçala Behçet" mit und erlangte hier große Popularität. Ein ebenfalls bekannter Film war "Çapkin kabadayi" mit der Besetzung Tamer Yigit, Irfan Atasoy, Yalçin Gülhan, Yilmaz Köksal und Cihangir Gaffari. Was wären aber Sexfilme ohne weibliche Darsteller? Die bekanntesten Ladies der Branche waren Zerrin Egeliler, Arzu Oktay, Mine Mutlu, Bahar Erdeniz, Mine Soley, Figen Han, Dilber Ay und Harika Öncü.

Die Akteure waren aber nicht immer eindeutig Männlein oder Weiblein. So hatten auch Transvestiten und Transsexuellen durchaus eine Berechtigung in den Filmen dieser Zeit. Während Transvestiten, also Männer in Frauenkleidung (haben hauptsächlich in Bars und im Rotlichtmileu gearbeitet), eine eher untergeordnete Rolle spielten, wussten transsexuelle Darsteller - Männer die eine Geschlechterwandlung vollzogen haben - das Publikum zu begeistern. Bekannte transsexuelle waren Christian Carol, Emel Aydan, Derya Sonay, Salih Kirmizi und Aylin Berkay.

Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage der Filmszene haben die damals noch unbekannten Schauspieler wie Adile Nasit, Gazenfer Özcan, Deniz Erkanat, Pekcan Kosar, Salih Kirmizi ebenfalls in Erotikstreifen mitgespielt. Sie wollten so die schweren Zeiten überbrücken.

Im Jahr 1979 wurden insgesamt 195 Filme produziert, von denen 131 Sexfilme waren. Diese Zahlen waren sicherlich ein Indiz für die große Beliebtheit der Sexfilme beim Publikum. Ein weiteres Zeichen waren die langen Wartezeiten an den Kinokassen, die der Zuschauer gerne in Kauf nahm. Ende der 79er wurden die Erotikfilme von den Hard-Pornofilmen abgelöst. Die erste Darstellerin dieser Sparte war Zerrin Doga, die mit ihrem Filmpartner Levent Günel den Stein ins rollen brachte. Unter der Regie von Naki Yurter bot das Filmpaar ein detailliertes Liebesspiel vor der Kamera. Die Schauspielerin Dibler Ay schuf sich einen Namen in dieser Branche. 1980 sprach die türkische Regierung ein Verbot für Sexfilme aus.

Theaterschauspieler gleich Pornodarsteller?
Kenner der Kinoszene aus den 70ern würden auf diese Frage sicherlich mit ´ja´ antworten. Wir haben etwas weiter recherchiert und herausbekommen, dass dies nicht der Fall ist. Theaterschauspieler haben nicht in Pornostreifen mitgemacht. Zumindest nicht in harten Pornos. Tatsache ist, dass die meisten Filme der 70er-Jahre reichlich mit nackter Haut bestückt waren. Bei den etwas härteren Szenen, in denen es an die Schamgrenze der Schauspieler ging, hatten die Macher eine glorreiche Idee: Sie bestückten die Filme mit anderen, teils ausländischen Szenen. Im Fachjargon nennt man dies "dösemecilik". Nach Aussagen des bekannten Filmkritikers Agah Özgüc waren die Filmschauspieler Ali Poyrazoglu, Haydi Cimen und Aydemir Akbas zwar in Sexstreifen zu sehen, haben aber die harten Szenen nie selbst gespielt. Diese Passagen wurden aus anderen "Werken" kopiert. Und auch die Damen waren den verschärften Bedingungen ausgesetzt. Mine Mutlu, Arzu Okay, Zerrin Egeliler wurden in Situationen gezeigt, die sie in Wirklichkeit jedoch niemals gespielt hätten. Den Zuschauern wurde vorgegaukelt, die Schauspieler in gewagten Posen zu sehen.