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Kaynak (Quelle) : Vaybee.de


3. Teil: Türkisches Kino - Die "arabesken" 80er-Jahre

In dem ersten Teil unserer Serie „Die türkischen Filme der 70er-Jahre“ haben wir über die damaligen Newcomer und die Entwicklung hin zum Farbfilm berichtet. Im zweiten Teil standen dann die Erotikfilme dieser Zeit, die gesellschaftlichen Hintergründe der Sexstreifen, Statistiken und eine Übersicht der Filme im Blickpunkt. Diese Folge unserer Serie beleuchtet die "arabeske", leichte Kost der Musikfilme der Achziger.
Die 80er-Jahre, unabhängig vom "12. September-Putsch", erschwerten die ohnehin schon äußerst kritische Lage der türkischen Kinowelt. Die Zahl der Filmproduktionen war stark rückläufig. Da kamen die dramatischen "Arabesk"-Filme, also Streifen, in denen populäre Sänger und Sängerinnen mitspielten, gerade recht, um das Kino-Business etwas wiederzubeleben. Passend zu den damaligen Hitliedern wurden Szenarien geschrieben und viele Filme gedreht, die sich inhaltlich ähnelten. Charakteristisch für die "Arabesk"-Filme war die hoffnungslose Liebe eines jungen armen Mannes zu einer reichen Tochter seines Feindes. Auch die umgekehrte Variante - der Mann ist reich, das Mädchen kommt aus armen Verhältnissen und gerät in schlechte Kreise - war der Klassiker. Berühmte Sänger wie Orhan Gencebay, Ferdi Tayfur, Müslüm Gürses, Ibrahim Tatlises, ab 1986 auch der Nachwuchssänger Kücük Emrah, avancierten in dieser Filmgattung zu den beliebtesten Schauspielern der 80er-Jahre.

Abgesehen von der finanziellen Krise in den 80er-Jahren, erlitt das türkische Kino noch einen weiteren Tiefschlag, die auf den Markt drängenden Videofilme. Immer mehr Menschen genossen Videoabende daheim mit ihrer Familie. Die Kino-Besucherzahl gingen immer weiter in den Keller. Genau in dieser Zeit tauchten neue Regisseure auf. Besonders Sinan Cetin sorgte unter den jungen Regisseuren für Aufsehen. Der Filmemacher lieferte mit der sozialkritischen Haltung seiner Filme ständig für Diskussionen und Gesprächsstoff.

Das Gros der Filme sah sich jedoch der Kritik ausgesetzt, qualitativ minderwertig zu sein. D.h. Filme, die in dieser Zeit entstanden, waren inhaltlich und filmisch sehr schlecht. Gesellschafts-, Drogen- und Frauen-Probleme wurden ebenso aufgegriffen wie Träume und Wünsche, die sich nie erfüllten. Es war stets eine negative Tendenz in den Filmen zu spüren. Die Folge: Das Frauenbild und das Selbstbewußtsein der Frauen veränderten sich.

Die Frauen der 70er hatten noch im Mittelpunkt der Familie gestanden und hart gearbeitet, um die Familie finanziell zu unterstützen. Auch mussten sie die typische Rolle einer Dorffrau spielen, die nach traditionellen Normen lebt und eine ehrenhafte Person verkörpert. Die Frau der 80er stellte vor allem das sexuelle Verlangen in den Vordergrund. Türkan Soray ließ sich dennoch von dieser Tendenz nicht verleiten und in sehr gefühlsbetonenden Filmen gewirkt. So beeinflußten Schauspielerinnen wie Müjde Ar, Hülya Avsar und Zuhal Olcay nachhaltig diese Zeit und waren die gefragtesten Darstellerinnen der Türkei. Bei den Regisseuren ragte insbesondere Serif Gören aus der Masse hervor. Erwähnenswert sind ebenfalls einige Komödien, die in dieser Zeit gedreht wurden, und sehr guter Qualität waren. Sener Sen ist sicherlich einer der besten Komödianten von damals. Er erfreut sich auch heute noch in der Türkei riesiger Beliebtheit.

Die zweite Hälfte der 80er-Jahre brachte zwar nette Werke hervor, konnte das Kino aber nicht aus seinem Tief führen. Ausnahmen dieser Krise stellten Müjde Ar und Atif Yilmaz dar, die die Hauptrollen im Film „Ah Belinda“ spielten. Sie sorgten mit 4 Millionen TL Umsatz für einen neuen Rekord! Rund fünf Jahre später schaffte der Film „Kadinin Adi Yok“, der zunächst als Roman von Duygu Asena erschienen war, diesen Kassenschlager sogar noch zu toppen. Innerhalb von nur sechs Wochen spielte dieser Film 1988 insgesamt 14Millionen TL ein.

Die schönsten Filme der 80er Jahre: Sinan Cetin (Bir Günün Hikayesi, Cirkinlerde Sever), Atif Yilmaz (Talihli Amele, Ah Belinda, Kadinin Adi Yok), Kartal Tibet (Zübük, Salvar Davasi), Türkan Soray (Yilani Öldürseler), Ömer Kavur (Göl, Ah Güzel Istanbul, Anayurt Oteli), Ali Özgentürk (At, Bekci), Yavuz Tugrul (Fahriye Abla, Muhsin Bey), Erthem Egilmez (Namuslu) Serif Gören (Yilanlarin Öcü), Nesli Cölgecen (Zügürt Aga), Basar Sabuncu (Zengin Mutfagi)