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Im Namen Allah's, des Gnädigen, des Barmherzigen

Index (zum anklicken)

Die "fünf Farben des Islam"

Islamische Lehre

Der Koran

Die Sunna

Der Tag des Jüngsten Gerichts

Prophet Mohammed

Propheten

Gott (Allah)

Glaubenspraxis und Institutionen

Glaubensbekenntnis

Gebet

Ethik

Islam und Gesellschaft

Bildungswesen

Almosen

Geschichte

Die islamische Gemeinschaft

Islamisches Recht

Fasten

 

Es gibt kein auserwähltes Volk

Keine Priesterschaft

Jihad

 

Wirtschaftsgemeinschaft

Die Familie

Wallfahrt

Der Islam in der Neuzeit

Die Schiiten

Sufismus


I S L A M

ISLAM (arabisch: Ergebung, Unterwerfung, Hingabe), die jüngste der großen Weltreligionen, vom Propheten Mohammed bin 'Abdallah bin 'Abd il-Muttalib (s.a.s.), einer göttlichen Berufung folgend, ab dem Jahre 610 nach Chr. bis zu dessen Tod im Jahre 632 nach Chr. verkündigt. Das arabische Wort "Islam" bezeichnet die unbedingte Ergebung in den Willen des einen Gottes Allah. Die Anhänger des Islam nennen sich selbst Muslime. Die Bezeichnung Mohammedaner wird von Muslimen abgelehnt, da diese einen Personenkult um Prophet Mohammed andeuten würde, was nicht mit dem Selbstverständnis des Islam in Einklang zu bringen ist.
Gegenwärtig wird die Zahl der Anhänger des Islam auf über 1,5 Milliarde Menschen geschätzt (Tendenz: steigend).
Der Islam ist also nicht nur seinem universalen Anspruch nach, sondern auch seiner Verbreitung nach, eine Weltreligion.
Zu den Kernländern der weltumspannenden muslimischen Glaubensgemeinschaft gehören die arabischen Staaten in Nordafrika und im Nahen Osten, die Türkei und Teile der früheren UdSSR in Zentralasien (Turkvölker), der Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien und Bangladesh, Malaysia, Indonesien, Philippinen und Teile Chinas. In Europa ist der Islam zahlenmäßig die zweitgrößte Religion nach dem Christentum.

Die "fünf Farben des Islam"

Nach sprachlichen und kulturellen Zusammengehörigkeiten kann man "fünf Farben des Islam" unterscheiden:

Islamische Lehre

Die beiden grundlegenden Quellen der islamischen Glaubenslehre und Religionsausübung sind der Koran und die Sunna.

Der Koran

Das gnadenreiche Heilige Buch der Muslime ist der Koran. Die Muslime glauben an den göttlichen Ursprung aller anderen Heiligen Schriften, Gott hat sich davor schon unter anderen den Propheten Mose (Thora), König David (Psalmen) und auch Jesus (Evangelium) offenbart, die die Gottesworte ebenfalls aufschrieben, doch sind sie der Meinung, daß diese vorausgegangenen Offenbarungen durch menschliche Machenschaften verfälscht worden sind. Sie gehen fest davon aus, daß der Koran eine Wiederverkündung der Lehre des Glaubens an den Einen Gott und eine Vervollständigung der Praxis des Glaubens an Denselben beinhaltet, wobei der Koran einen starken Bezug nimmt darauf, was von diesem Glauben in den früheren Heiligen Schriften in deren reiner (unverfälschter) Urform bereits gelehrt wurde. Der Koran ist das größte Wunder des Propheten Muhammed für die Menschen, und der Wegführer zum Glück. Der Koran bestätigt, erfüllt, vervollständigt und erklärt eingehend die eine wahrhafte Offenbarung, die von dem Einen, Wahren Gott zu allen Zeiten herabgesandt worden ist. Muslime Rezitieren (Kiraat) den Koran sowohl im Gebet als auch außerhalb des Gebetes nur in der ursprünglich offenbarten Originalform auf Arabisch.
Die Muslime verstehen den Koran als das Wort Gottes, wie es Prophet Mohammed durch den Erzengel Gabriel übermittelt wurde. Sie glauben, daß Gott selbst, und nicht Prophet Mohammed, der Autor des Korans ist, welcher deshalb unfehlbar sei.
Diese Schrift stellt die Sammlung der Worte dar, die Prophet Mohammed während der rund 23 Jahre seines Wirkens als Prophet zwischen 610 und 632 geoffenbart wurden. Sie besteht aus 114 Suren (Kapitel) von unterschiedlicher Länge, dessen kürzeste nur drei kurze Verse umfaßt, die längste 306 Verse. Islamische wie nichtislamische Gelehrte stimmen darin überein, daß der Text des Korans im Lauf seiner Geschichte unverändert überliefert wurde.   ( Lesen sie den Qur'an online )
Im Koran findet der Moslem alles, was ihn zu einem Gott wohlgefälligen Leben anleitet und damit auf das religiöse Leben vorbereitet. Der Koran enthält grundsätzliche Aussagen über:
- die Glaubensüberzeugungen, wie den Glauben an Gottes Einheit, die Propheten, die Engel und das Jüngste Gericht;
- die gottesdienstlichen Ordnungen, zu denen auch das Fasten im Monat Ramadan und die Wallfahrtsriten bei der Pilgerfahrt nach Mekka gehören;
- die sozialgesellschaftlichen Ordnungen, insbesondere über das Familienrecht;
- die sittlich-ethischen Maßstäbe, an denen sich jeder Moslem zu orientieren hat.

Beim Lesen des Koran begegnet man vielen Gestalten und Geschichten, die aus der Bibel schon bekannt sind:
erwähnt werden Adam als der erste Mensch, Abraham, Mose, der Retter des jüdischen Volkes, König David, Johannes der Täufer, und Maria, die Mutter Jesu. Auch von Jesus selbst wird berichtet. Er wird allerdings nicht als Sohn Gottes bezeichnet (was für den gläubigen Moslem eine Beleidigung Gottes bedeutet), sondern als einer der großen Propheten und Gesandten Gottes, der die Aufgabe hatte, das Volk Israel wieder zum ursprünglichen Glauben zurückzuführen. Der Koran warnt die Moslems davor, in Jesus mehr als nur einen Menschen zu sehen, und bestreitet seinen Tod am Kreuz. Auch die Auferstehung Jesu wird im Koran nicht erwähnt.

Da für den Moslem der Koran das von Gott selbst inspirierte, von Gottes Engeln diktierte Wort ist, kommt ihm im Islam uneingeschränkte Autorität zu. Dem Moslem ist es nicht erlaubt, auch nur am kleinsten Buchstaben des Koran zu zweifeln, seine Entstehung zu hinterfragen, sich kritisch mit seiner Botschaft auseinanderzusetzen oder zu versuchen, seine Aussagen an Ergebnissen moderner Wissenschaft und Forschung zu überprüfen. Alles für den Menschen Wissenswerte liegt im Koran begründet.

Die Sunna

Die zweite Hauptquelle des Islam, die Sunna (arabisch: Gewohnheit), auch als der vorbildliche Weg des Propheten bezeichnet, ist im Hadith (arabisch: Überlieferung), einer Textsammlung aus dem 9.Jahrhundert enthalten.
Diese umfaßt die Detaillierten Aufzeichnungen über Denken, Handeln und Leben des Propheten.
Der Hadith wird im Unterschied zum Koran nicht für unfehlbar gehalten und ist diesem gegenüber von nachrangiger Bedeutung, wird aber von den meisten Muslimen als grundlegend für Glaube und Handeln angesehen.

Gott (Allah) (arabisch al-ilah: der Gott)

Gott hat viele Namen und Eigenschaften, wovon er uns nur einige in seiner Offenbarung genannt hat. Allah, das ist nicht etwa der Name eines speziellen Gottes, der nur für die Muslime da ist, sondern Allah ist der einzige zu Recht angebetete und verehrte Schöpfer des Universums, der seit dem es Menschen auf dieser Erde gibt, diesen Weisungen hat zukommen lassen.
Die islamische Vorstellung von Gott ist mit der des Judentums und des Christentums verwandt.
Die Eigenschaften Allahs: Die Muslime beten zu einem einzigen Gott - dem Allmächtigen, Allwissenden, Allgerechten, dem Bewahrer aller Welten, dem Freunde, Hüter, und Helfer. Es gibt nichts, das ihm gleich wäre. Er hat keine Teilhaber an Seiner Macht. Er wurde nicht gezeugt und hat weder Sohn noch Tochter gezeugt. Er ist ein absolutes Unteilbares Ganzes.
Er ist das Licht der Himmel und Erde, der Barmherzige, der Gnadenvolle, der Ruhmreiche, der Herrliche, der Wunderschöne, der Ewige, der Unendliche, der Erste und der Letzte. (Das " Er " bezieht sich nicht auf das Geschlecht Allahs, sondern ist allein grammatischer Art. Allah hat kein Geschlecht). Der Islam ist streng monotheistisch. Er vertritt ebenso wie Judentum und Christentum den Glauben an den einen allmächtigen Gott. Die Welt stellt ein wohlgeordnetes, harmonisches Ganzes dar, in dem alles seinen Platz und seine Ordnung hat. Gegenüber der Welt und speziell gegenüber der Menschheit nimmt Gott vier fundamentale Aufgaben wahr: Schaffen, Versorgen, Führen und Richten. Allah hat für das Glück der Menschen in der Welt und im Jenseits Propheten gesandt und ihnen die "heiligen Bücher" offenbart. Die Aufgabe der Menschheit ist der "Dienst an Gott" sowie der Aufbau einer Gesellschaftsordnung, in der ethische Prinzipien verwirklicht sind.

Die wesentlichen Eigenschaften Gottes sind:

Einzigkeit Gottes: Gott ist absolut einzig, deshalb wird die christliche Dreifaltigkeitslehre abgelehnt und erst recht die christliche Vorstellung von der Gottessohnschaft Christi.

Absolute Transzendenz und deshalb nächste Nähe Gottes: Gott wird im Islam in vollkommener Transzendenz gezeigt. Gott wird deshalb auch nicht als personifiziert aufgefaßt. Um die Transzendenz Gottes nicht zu relativieren und zu nivellieren, gibt es keine Sakramente, keine Kultbilder, keine Kirchenmusik. Gerade wegen seiner Transzendenz ist Gott völlig nahe (immanent): er ist dem Menschen näher als seine Halsschlagader.

Gott der Schöpfer: Gott hat Himmel und Erde geschaffen. Die Schöpfung ist in erster Linie für den Menschen bestimmt. Man kann Gott aus der wunderbaren Schöpfung erkennen.

Gott der Richter: Gott ist der gerechte Richter des Jüngsten Tages.

Gott der barmherzige Erbarmer: Fast jede Sure des Koran beginnt mit: ,,Im Namen Gottes, des barmherzigen Erbarmers."
Das Erbarmen ist notwendig, da Gott ein gerechter Richter ist: jeder fromme Muslim weiß, daß er oft Gottes Anforderungen nicht entspricht und deshalb auf Gottes Erbarmen angewiesen ist. Voraussetzung, daß Gott gegenüber dem Menschen Erbarmen zeigt ist aufrichtige Reue auf Seiten des Menschen.

Ethik

Im Islam wird der Einsatz aller Fähigkeiten und Eigenschaften, die dem Menschen mitgegeben worden sind, gefordert, wobei nur die eine Einschränkung gemacht wird, nämlich daß diese bei richtiger Gelegenheit einzusetzen sind. Es wird vom Menschen erwartet, daß er sowohl Sanftmut wie auch Entschlossenheit an den Tag legt, doch jedes zu seiner Zeit. Der Qur'an lehrt die Muslime, sich unterzuordnen, doch nicht in dem maß, daß sie die Selbstachtung verlieren; er ruft sie zur Vergebung auf, doch nicht auf solche Weise, daß dadurch die Übeltäter ermutigt werden; er gesteht ihnen zu, von ihren Rechten Gebrauch zu machen, aber nicht so, daß dadurch die Rechte anderer verletzt werden; und schließlich verlangt er von ihnen, daß sie ihren eigenen Glauben verkünden, doch nicht indem sie den anderer verunglimpfen. Der wahre Wert der Taten einer Person kann nur durch Tugend (Taqwa) beurteilt werden; das Ziel des Einzelnen sollte der höchste Nutzen für die Menschheit sein, nicht die unmittelbaren Freuden oder Wünsche des Selbst.

Propheten

Nach islamischer Auffassung schickte Gott aufgrund der moralischen Schwäche der Menschen Propheten, um den Völkern sowie den Einzelnen das moralisch und sprituell richtige Verhalten zu lehren. Mit diesem Akt göttlicher Führung sei – neben Schöpfung und Versorgung – Gottes Gnade vollendet. Obwohl Gut und Böse ins Herz des Menschen eingeschrieben seien, hätten die Unfähigkeit oder die Weigerung vieler Menschen, diese Inschrift zu lesen, die Führung durch Propheten erforderlich gemacht. Nach dem Islam war Adam der erste Prophet (dem Gott, nachdem er ihn aus dem Garten Eden vertrieb, seinen Sündenfall vergab – deshalb akzeptiert der Islam die Lehre von der Erbsünde nicht). Die Botschaften aller Propheten stammen danach aus derselben göttlichen Quelle, die im Koran als "wohlverwahrte Tafel", "das verborgene Buch" und "die Mutter aller göttlichen Bücher" bezeichnet wird. Nach dieser Auffassung sind im Grunde alle Religionen ein und dieselbe, auch wenn sich ihre institutionalisierten Formen unterscheiden. Die Propheten sind eine untrennbare Einheit. Sie sind menschlicher Natur, haben nicht an der Göttlichkeit teil, sondern sind die vollkommensten Vorbilder für die Menschheit. Der Koran bezeichnet Prophet Mohammed als "Siegel aller Propheten". Deshalb glauben die Anhänger des Islam, daß das Prophetentum mit Mohammed (s.a.s.) vollendet und beendet und daß der Koran die letztgültige und vollkommene Offenbarung Gottes ist, die alle früheren Offenbarungen vollendet und aufhebt. Die Muslime, d.h. die Anhänger des Islams, glauben an alle Propheten Allahs, also auch an Abrahm , Moses und Jesus, denen der göttliche Wille zur Rechtleitung der Menschheit offenbart worden ist. Der Qur'an (das heilige Buch der Muslime) spricht von Jesus mit größter Hochachtung. Er wird als Allahs auserwählter Prophet und als Sohn von der Jungfrau Maria bezeichnet, den zu verehren Pflicht eines jeden Muslims ist. Allerdings wird die Lehre, Jesus sei der Sohn Gottes, ebenso eindeutig zurückgewiesen wie die, daß Jesus die Sünden der Welt auf sich genommen habe, weil sie nach islamischer Auffassung spätere Erfindungen darstellen und niemals von ihm selbst verkündet worden sind.

Der Tag des Jüngsten Gerichts

Die göttlichen Handlungen Schöpfen, Versorgen und Führen enden mit dem abschließenden Akt des Richtens.
Am Tag des Jüngsten Gerichts werden alle Menschen zusammengerufen (Auferstehung) und jeder einzelne nach seinen Taten gerichtet, wobei die "Geretteten" ins Paradies eingehen, während die "Verdammten" in die Hölle absteigen. Dabei wird Gott als gnädiger Richter gesehen, der denjenigen vergibt, die Vergebung verdienen. Daneben kennt der Koran eine weitere Form des göttlichen Gerichts, das im Verlauf der Geschichte über Nationen, Völker und Gemeinschaften gehalten wird.

Glaubenspraxis und Institutionen

Fünf Säulen des Islam (arabisch arkan), fünf vorgeschriebene rituelle Pflichten, welche die Muslime als grundlegend und zentral im Leben der islamischen Gemeinschaft ansehen.
Das sind:
1. das Aufsagen des Glaubensbekenntnisses (kalima shahada)
2. die Verrichtung der fünf täglichen Gebete (salat)
3. das Fasten während des Monats Ramadan (saum)
4. das Zahlen der Almosensteuer (zakat)
5. wenigstens einmal im Leben die Teilnahme an der großen Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch).

1.Glaubensbekenntnis (kalima shahada)

Entsprechend der uneingeschränkt monotheistischen Auffassung des Islam ist die erste Pflicht das Glaubensbekenntnis (shahada): "Ich bezeuge, daß es keinen Gott gibt außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet."
Jeder darf sich als Muslim oder Muslimin betrachten, der bzw. die das Glaubenszeugnis bewußt und aufrichtig ausspricht.
Das Bekenntnis wird mit dem Herzen anerkannt und mit der Zunge ausgesprochen. Eine Taufe wie im Christentum gibt es nicht.

2.Gebet (salat oder TR:Namaz)

Die zweite Pflicht besteht in fünf täglichen Gebeten. Das erste Gebet wird vor Sonnenaufgang, das zweite am sehr frühen Nachmittag, das dritte am späten Nachmittag, das vierte unmittelbar nach Sonnenuntergang und das fünfte vor der Nachtruhe verrichtet. Zum Gebet richten sich die Muslime in Richtung der Kaaba in Mekka aus. Eine einzelne Gebetseinheit besteht aus einer stehenden Stellung, einer Verbeugung und zwei Prostrationen (Niederstrecken und Berühren des Bodens mit der Stirn) und schließlich einer sitzenden Position. Dabei werden z.T. vorgeschriebene Gebete und Koranstellen auf Arabisch (original) rezitiert. Die fünf täglichen Gebete erinnern den Menschen an seinen Bund mit Gott, beleben und stärken seinen Glauben an Ihn stets auf neue. Sie reinigen sein Herz und helfen ihm, der Versuchung zur Sündhaftigkeit auszuweichen und allem Unguten und Unreinen aus dem Weg zu gehen. Alle fünf Gebete im Islam sollten soweit möglich gemeinschaftlich und in einer Moschee verrichtet, können jedoch auch einzeln verrichtet werden, wenn jemand aus bestimmten Gründen nicht in der Gemeinde anwesend sein kann. Individuelle Andachtsgebete sind nicht vorgeschrieben, jedoch wird den Muslimen empfohlen, sie nach Mitternacht zu verrichten. Diese heißen Tahajjud (Nachtgebet). Im Nahen Osten und in Indonesien nehmen Frauen an den Gemeinschaftsgebeten teil, wobei sie in einem eigenen Raum oder Saal beten. Auf dem Indischen Subkontinent beten die muslimischen Frauen ausschließlich im Haus. Vor dem Gebet nimmt der Muslim rituelle Waschungen vor.
Vor jedem Gemeinschaftsgebet ruft der Muezzin (azan: "Ruf zum Gebet") das Gebet von einem Minarett der Moschee öffentlich aus (Vergleichbar mit dem Glockenläuten der Kirche). Neuerdings wird der Ruf über Lautsprecher verstärkt, so daß man ihn auch in größerer Entfernung noch hören kann. Am Freitagnachmittag findet ein spezielles Gemeinschaftsgebet in der Moschee statt. Vorher predigt der Imam, auch Khatib genannt, von der Kanzel.

3.Almosen (zakat)

Die dritte Hauptpflicht eines Muslims ist das jährliche Zakat. Dies war ursprünglich die Steuer, die Prophet Mohammed (und später die muslimischen Staaten) von den reichen Mitgliedern der Gemeinschaft erhoben hatte, um den Armen zu helfen.
Darüber hinaus soll die Zakat für die Mission sowie für den Jihad verwendet werden. Das Zakat dient zur Läuterung der eigenen Seele und zur Reinigung des Eigentums. 

4.Fasten (saum oder TR:Oruc)

Die vierte Pflicht besteht im Fasten während des Monats Ramadan im neunten Monat des islamischen (Mond-)Kalenders.
Es bedeutet Enthaltsamkeit von Essen und Trinken und Geschlechtsverkehr, täglich von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Dabei werden Verlangen und Begierde unterdrückt. Das Fasten lehrt Aufrichtigkeit und Frömmigkeit, sowie Mitgefühl mit den (hungernden) Armen und Liebe. Es entwickelt ein gesundes soziales Gewissen, Geduld, Selbstlosigkeit und Selbstdisziplin. Der Ramadan gilt als besonders gnadenreiche Zeit, weil es der Monat der Offenbarung des Korans gilt.

5.Wallfahrt (Hadsch)

Die fünfte Pflicht ist die Pilgerfahrt zu dem Haus, das von Abraham einst zur Anbetung Gottes erbaut wurde, der Kaaba in Mekka. Alle erwachsenen Muslime, die körperlich und wirtschaftlich dazu in der Lage sind, müssen diese Wallfahrt mindestens einmal im Leben machen. Viele Riten der Pilgerfahrt sind direkt mit den Handlungen Abrahams und der Seinen verbunden.
Die Wallfahrt (Hadjdj) findet während der ersten zehn Tage des letzten Monats im Mondjahr statt und beginnt damit, daß sich die Pilger durch Waschungen und Anlegen eines Bußgewandes in einen Zustand der Reinheit versetzen. Der Hadjdj besteht im siebenmaligen Umschreiten der Kaaba sowie sieben Pilgergängen zwischen den Hügeln Safa und Marwa in der Nähe des Heiligtums, einem Gang von drei Meilen (etwa 4,5 km) bis Mina und sieben weiteren Meilen (etwa 11 km) auf den Berg Arafat, einer symbolischen Steinigung des Teufels und der Schlachtung eines Tieres zur Erinnerung an Abrahams Opfer.
1998 wurden in Mekka über fünf Millionen Pilger gezählt, 1999 acht Millionen. Jahrhundertelang spielte die Kaaba als Treffpunkt islamischer Gelehrter eine wichtige Rolle für den Austausch und die Verbreitung ihrer Ideen. Im Lauf der letzten zwanzig Jahre diente die Wallfahrt auch der Förderung der politischen Solidarität in der islamischen Welt.
Der Islam zeigte während der vergangenen 1400 Jahre in der Praxis, wie Rassismus abgeschafft werden kann. Jahr für Jahr kann man das islamische Wunder der Brüderlichkeit zwischen allen Rassen und Nationen während der Pilgerfahrt in der Realität sehen. Neben diesen fünf Hauptstützen des Islam gibt es weitere wichtige Vorschriften, beispielsweise das Verbot, Alkohol zu trinken oder Schweinefleisch zu essen. Neben der Kaaba, dem zentralen Heiligtum des Islam, sind die Moscheen, in der die täglichen Gebete sowie das Freitagsgebet stattfinden, die wichtigsten Zentren des islamischen Lebens.

Islam und Gesellschaft

Das islamische Gesellschaftsverständnis ist theokratisch: Das Ziel aller Muslime ist "Gottes Herrschaft auf Erden".
Damit ist jedoch keine Herrschaft der Priester gemeint, wenn auch in einigen islamischen Staaten die religiösen Autoritäten einen bedeutenden politischen Einfluß ausüben. Der islamischen Sozialphilosophie liegt die Auffassung zugrunde, daß alle Lebenssphären – die spirituelle, die soziale, die politische und die wirtschaftliche – eine untrennbare Einheit bilden und von den islamischen Werten geprägt sein sollten. Auf diesem Ideal basieren die Gedanken des "islamischen Rechtes" und des "islamischen Staates" und die starke Betonung des sozialen Lebens und sozialer Pflichten im Islam. Selbst die geschilderten fünf religiösen Hauptpflichten, die "Säulen des Islam", haben eindeutige soziale Implikationen.

Die islamische Gemeinschaft

Die Grundlage der islamischen Gesellschaft ist die Gemeinschaft, die durch die Ausübung der fünf Pfeiler des Islam miteinander verbunden ist. Ihre Aufgabe besteht darin, "das Gute zu befördern und das Böse zu verhindern" und so die Welt zu verbessern. Der Islam legt für seine Anhänger eine alles einschließende Lebensweise fest , mit deren Hilfe sie alles, was gut und edel ist am Menschen zur Entfaltung bringen könne, so daß ungetrübter Friede herrschen kann von Mensch zu Mensch.

Islamische Wirtschaftsgemeinschaft (ECO), (englisch Economic Cooperation Organization), Organisation zur Förderung wirtschaftlicher und kultureller Zusammenarbeit zwischen islamischen Staaten mit Sitz in Teheran (Iran).
Gegründet wurde sie 1985 von Iran, Pakistan und der Türkei, die bereits 15 Jahre lang im Rahmen der Regional Cooperation for Development (RCD) zusammengearbeitet hatten. 1992 kamen Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan, Afghanistan und Kasachstan, 1993 dann Aserbaidshan hinzu. Der ECO steht ein Koordinierungsrat der Außenminister vor, der jährlich tagt. Vier Ausschüsse sind zuständig für die Zusammenarbeit auf den Gebieten Wirtschaft und Infrastruktur, Technik und Industrie, Landwirtschaft sowie Erziehung und Wissenschaft. 1988 wurde eine gemeinsame Postorganisation gegründet (die South and West Asia Postal Union), 1990 dann eine gemeinsame Industrie- und Handelskammer. 1991 unterzeichneten die Mitglieder der ECO ein Protokoll über Präferenzzölle. 1992 wurden eine ECO-Investitionsbank und eine Kulturorganisation gegründet. Zusätzlich strebt die ECO eine Zollunion an.

Bildungswesen

Das Erwerben von Wissen wird im Islam als Pflicht betrachtet. Es ist die Aneignung von Wissen, die den Menschen selbst den Engeln überlegen macht. Das System der islamischen Universitäten trug zu den großen kulturellen Entwicklungen des Islam bei. Die Universitäten wurden als religiöse Ausbildungsstätten gegründet, an der die Ulama (Religionsgelehrte), Qadis (Richter), Muftis (staatlich anerkannte Rechtsgelehrte) und weitere hohe religiöse Amtsträger ausgebildet wurden.
Diese Amtsträger bildeten – besonders in der Türkei und Indien – eine wichtige politische Klasse, die großen Einfluß auf die Politik des Staates nehmen konnte. In vielen muslimischen Ländern des 20.Jahrhunderts haben die Ulama jedoch einen Großteil ihres früheren Einflusses verloren, besondern unter den westlich erzogenen Muslimen, die einer rein islamistischen Regierungsform kritisch gegenüberstehen; in der Türkei haben die Ulama ihre juristische Macht völlig eingebüßt.
Im 9.Jahrhundert gründete der Kalif Al-Mamun in Bagdad eine Akademie zur Erforschung nichtreligiöser Fächer und zur Übersetzung griechischer philosophischer und wissenschaftlicher Texte. Im 10.Jahrhundert gründeten die Fatimiden-Kalifen auch in Kairo eine Akademie, El-Azhar, die heute noch das wichtigste islamische Ausbildungszentrum darstellt. Herrscher und reiche Gönner unterstützten in der Regel einzelne Gelehrte finanziell. Die islamischen Gelehrten des Mittelalters waren bedeutende Philosophen, Mediziner, Astronomen, Mathematiker und Naturwissenschaftler; zwischen dem 9. und dem 13.Jahrhundert war die islamische Kultur weltweit die am weitesten entwickelte.Weitere berühmte islamische Universitäten sind unter anderem die 1067 von dem iranischen Staatsmann Nizam Al-Mulk in Bagdad gegründete Nizamiya, an der Religion, Theologie und islamische Tradition gelehrt wurden und an der auch der berühmte Philosoph Al-Ghazali lehrte, sowie die 1234 in Bagdad gegründete Mustansiriya, die islamisches Recht und andere Fächer lehrte.

Islamisches Recht

In der islamischen Gesellschaft hat der Ausdruck "Recht" einen weiteren Bedeutungsumfang als in den westlichen Gesellschaften, da das islamische Recht sowohl rechtliche als auch moralische Imperative umfaßt.

Die vier Quellen

Das islamische Recht besteht aus vier Quellen, den so genannten "Wurzeln des Rechtes". Die ersten beiden Quellen sind die schriftlich niedergelegten in Form des Koran und der Sunna. Die dritte Quelle wird als "Idjtihad" ("individuell verantwortete Meinung") bezeichnet und wird herangezogen, wenn ein Thema im Koran und in der Sunna nicht abgehandelt wird.
Ein Jurist kann das Problem dann durch Analogieschluss (qiyas) lösen. Diese Art des Schließens wurde eingeführt, als islamische Theologen und Juristen sich in eroberten Ländern der Notwendigkeit gegenübersahen, die dortigen Gebräuche und Gesetze mit dem Koran und der Sunna in Übereinstimmung zu bringen. Später begannen islamische Autoritäten, dies eigenständige Denken als Bedrohung für den Koran und die Sunna anzusehen, und stellten strikte Regeln zur Beschränkung seines Gebrauchs auf. Wegen der tief greifenden Veränderungen der muslimischen Weltgemeinschaft in den letzten Jahrzehnten hat das innovative Denken des Idjtihad jedoch wieder mehr Bedeutung gewonnen. Die vierte Quelle ist der Konsens der Gemeinschaft (idjma).

Rechtsschulen

Im Islam haben sich fünf Rechtsschulen entwickelt, vier sunnitische und eine schiitische. Die vier sunnitischen Schulen – Shafiiten, Hanafiten, Malikiten und Hanbaliten – entwickelten sich in den ersten beiden Jahrhunderten der Geschichte des Islam. Sie behandeln die Rechtsgebiete, die der Koran oder die Sunna nicht abdecken, mit Hilfe systematischen Schließens und unterscheiden sich in erster Linie dadurch, ob sie mehr die Autorität der Texte oder mehr den Analogieschluss in den Mittelpunkt stellen; alle Schulen erkennen jedoch die Schlußfolgerungen der anderen Schulen als vollständig legitim und den Rahmen des orthodoxen Islam nicht überschreitend an. Im Prinzip dominiert jede Schule in bestimmten geographischen Bereichen: die Hanafiten auf dem Indischen Subkontinent, in Zentralasien, der Türkei und teilweise in Ägypten, Jordanien, Syrien, im Irak und in Palästina, die Malikiten in Nordafrika, die Shafiiten in Südostasien und die Hanbaliten in Saudi-Arabien. Die schiitische Schule (Djafariten) ist im Iran vorherrschend.

Es gibt kein auserwähltes Volk

Im Islam wird der Gedanke eines "auserwählten" Volkes abgelehnt. Als einziger Schlüssel zum Himmelreich gilt der aufrichtige Glaube an Allah und die daraus erwachsenden guten Taten.

Keine Priesterschaft / Beichte?

Der Islam ist die Religion eines jeglichen Menschen, der sich zu ihr bekennt. Der unmittelbare Zugang zu Allah steht jedem Menschen offen, die Beziehung zwischen Gott und jedem Menschen ist sehr eng, so daß kein Mensch bzw. Priester durch eine Vermittlerrolle zwischen Gott und Mensch sein darf. Jeder kann, darf und muß direkt Gott um Vergebung der Sünden bitten, da nur Gott allein die Sünden vergeben kann, deshalb giebt es auch keine Beichte an "dritte" im Islam.

Jihad

Der Ausdruck "Jihad",  bezeichnet das Bemühen für das islamische Ziel der "Verbesserung der Welt". Einige Herrscher setzten dabei den Jihad dafür ein, um Kriege zu rechtfertigen, die aus rein politischen Ambitionen geführt wurden.

Die Familie

Die islamische Gemeinschaft der Anfangszeit brachte eine Stärkung der Familie sowie die gleichzeitige Schwächung alter Stammesbindungen mit sich, wobei letztere jedoch nicht völlig verschwanden. Der Koran betont den Respekt vor den Eltern. Die Ehe gilt im Koran und in der Sunna als eine empfohlene, selbstverständliche Einrichtung, in der die Ehepartner in Liebe und Verständnis einander zugetan sein sollen.
Der Koran schreibt Maßnahmen zur Verbesserung der Stellung der Frau vor, wobei die im vorislamischen Arabien verbreitete Kindestötung von Mädchen verboten wurde; Töchter haben Anspruch auf einen Erbteil. Der Koran legt wiederholt Nachdruck auf eine gute Behandlung der Frau und gesteht Ehefrauen im Fall einer schlechten Behandlung das Recht auf Scheidung zu.
Der Koran erlaubt die Polygamie mit bis zu vier Frauen, ermahnt aber auch: "Wenn Du fürchtest, nicht allen Frauen gleichermaßen gerecht zu werden, dann heirate nur eine Frau." Der Mißbrauch der Polygamie und des Rechtes, hat dazu geführt, daß in den meisten muslimischen Ländern in neuerer Zeit ein neues Eherecht eingeführt wurde.

Geschichte

Zu Prophet Mohammeds Lebzeiten (um 570 bis 632) war die Arabische Halbinsel von nomadischen, Vieh züchtenden Beduinen und von Handel treibenden Arabern, die vornehmlich in Städten wohnten, bevölkert.
Die Religion der Araber war polytheistisch. Davon unabhängig existierte eine alte monotheistische Tradition oder zumindest ein überlieferter Glaube an eine höchste Gottheit. Vermutlich trugen auch jüdische und christliche Gemeinden zu einer wachsenden Aufgeschlossenheit gegenüber monotheistischen Lehren bei.

Prophet Mohammed (Friede sei mit Ihm)

Prophet Mohammed (sav) begann sein Wirken mit 40 Jahren, als Ihm, wie Er berichtete, in einer Vision der Erzengel Gabriel erschien. Prophet Mohammed vertraute seiner Familie und engen Freunden seine Visionen an. Er begann dann, öffentlich in seiner Geburtsstadt Mekka zu predigen, wurde jedoch verspottet. So zog er 622 nach Medina. Diese Auswanderung, die als Hidjra bezeichnet wird, stellt den Beginn der islamischen Zeitrechnung dar. In Medina gewann Prophet Mohammed bald weltliche und geistliche Autorität und war als Gesetzgeber und Prophet anerkannt. 630 ergab sich auch Mekka.
Bei seinem Tod 632 war Prophet Mohammed Herrscher über einen arabischen Staat, dessen Macht rasch zunahm.
Zentral für Prophet Mohammeds Lehre war die Güte, Allmacht und Einheit Gottes sowie die Forderung von Großzügigkeit und Gerechtigkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen. Wichtige Elemente des Judentums und des Christentums wurden im Islam gepflegt. Er führte ein vollkommenes Leben und setzte ein Beispiel für alle Menschen. Seine Biographie veranschaulicht die Lehren des Qur`an und ihre Verwirklichung in der Praxis.

Die klassische Zeit

Während der ersten Jahrhunderte des Islam (7. bis 10.Jahrhundert) wurden seine Rechtsauffassung und seine Theologie, also die beiden grundlegenden orthodoxen Disziplinen, entwickelt, wobei die Theologie nach dem Recht den zweithöchsten Stellenwert besaß. Der erste große theologische Disput wurde durch die Ermordung des dritten Kalifen, Uthman ibn Affan, und die darauf folgenden politischen Auseinandersetzungen ausgelöst. Dabei ging es um die Frage, ob ein Muslim auch nach einer schweren Sünde noch der muslimischen Gemeinschaft angehöre. Die fanatische Gruppe der Kharidjiten vertrat die Auffassung, daß selbst gläubige Muslime, die schwere Sünden begangen hätten, aber diese nicht angemessen bereuten, aus der islamischen Gemeinschaft ausgeschlossen werden sollten. Die Kharidjiten gingen so weit, alle politischen muslimischen Autoritäten als gottlos zu betrachten. Nach zahlreichen Rebellionen wurden sie jedoch entscheidend geschlagen.
Eine gemäßigtere Gruppierung der Kharidjiten, die Ibaditen, konnte sich jedoch halten und existiert heute noch in Nord- und Ostafrika, Syrien und Oman.

Die Mutaziliten

Die Übersetzung der griechischen philosophischen Werke ins Arabische im Verlauf des 8. und 9.Jahrhunderts führte zur Entstehung der ersten großen theologischen Schule des Islam, der Mutaziliten. Ihr Hauptanliegen bestand darin, die absolute Einheit und Gerechtigkeit Gottes zu betonen. Daher verstanden sie Gott als reines Sein ohne Eigenschaften, da Eigenschaften bereits Vielfältigkeit implizierten. Die göttliche Gerechtigkeit habe den freien Willen der Menschen zur Voraussetzung, denn wenn der Einzelne sich nicht frei zwischen Gut und Böse entscheiden könne, hätten Belohnung und Bestrafung keine Bedeutung. Da Gott vollkommen gerecht sei, könne er dem Guten seinen Lohn ebenso wenig vorenthalten wie dem Bösen die Strafe. Unter dem Kalifen al-Mamun war die Theologie der Mutaziliten Staatstheologie, im 10.Jahrhundert jedoch setzte eine von dem Philosophen Al-Ashari und seinen Anhängern (Ashariten) angeführte Gegenbewegung ein, die die menschliche Willensfreiheit bestritt, da sie diese Vorstellung als nicht mit Gottes absoluter Macht und seinem unbegrenzten Willen vereinbar ansah. Bestritten wurde auch, daß die naturgegebene Vernunft des Menschen zur Erkenntnis von Gut und Böse führen könne. Dieser Meinung nach werden moralische Wahrheiten von Gott gesetzt und können nur durch Offenbarung erkannt werden.
Die Ansichten der Ashariten gelangten im sunnitischen (orthodoxen) Islam allmählich zur Vorherrschaft und sind heute noch bei den meisten konservativen Muslimen verbreitet.
Davon unabhängig tendieren die Sunniten eher dazu, kleinere Meinungsverschiedenheiten zu tolerieren und betonen ansonsten den Konsens der islamischen Gemeinschaft in Fragen der Glaubenslehre.

Sufismus

Die mystische Bewegung des Sufismus entstand im 8.Jahrhundert. Damals wandten sich kleine Kreise frommer Muslime in Reaktion auf die wachsende Weltlichkeit der islamischen Gemeinschaft dem inneren geistlichen Leben zu.
Im Verlauf des 9.Jahrhunderts wurde der Sufismus zu einer mystischen Glaubenslehre, deren Ideal die Vereinigung mit Gott war. Das Ziel der mystischen Vereinigung verstieß gegen den im Islam vertretenen Monotheismus; so wurde 922 in Bagdad Al-Halladj unter der Anklage hingerichtet, er habe behauptet, eine mystische Erfahrung von Gott gehabt zu haben.
In der Folge versuchten berühmte Sufis, eine Synthese zwischen gemäßigtem Sufismus und der Orthodoxie zu schaffen; im 11.Jahrhundert gelang es dem Philosophen und Mystiker Al-Ghazali die Mystik mit der sunnitischen Orthodoxie zu versöhnen.
Im 12.Jahrhundert wandelte sich der Sufismus von der Beschäftigung einer gebildeten Elite zu einer Volksbewegung.
Der Wert, den die Sufis dem intuitiven Wissen und der Liebe Gottes beimaßen, trug mit zum Missionserfolg des Islam in Afrika und Ostasien bei. Vom Atlantik bis nach Indonesien entstanden Sufi-Bruderschaften; einige umfaßten die ganze islamische Welt, andere waren regional oder lokal begrenzt. Ihren erstaunlichen Erfolg verdanken diese Bruderschaften hauptsächlich den Fähigkeiten und der Menschlichkeit ihrer Gründer und Führer, die nicht nur für die spirituellen Bedürfnisse ihrer Anhänger sorgten, sondern auch den Armen aller Glaubensrichtungen halfen und häufig als Vermittler zwischen dem Volk und seiner Regierung fungierten.

Die Schiiten

Die Schiiten sind die einzige noch existente sektiererische Bewegung des Islam. Sie entstanden im Verlauf der Auseinandersetzung über die politische Nachfolge des Propheten Mohammeds (as), in der die Schiiten die Auffassung vertraten, daß die Herrschaft über die islamische Gemeinschaft ein göttliches Recht der Nachkommen des Propheten über seine Tochter Fatima und deren Mann Ali ist. Die Schiiten glauben an eine Abfolge von zwölf unfehlbaren Führern, die mit dem Imam Ali (ra) einsetzt. Sie werden deshalb auch als "Zwölfer-Schia" bezeichnet. Der zwölfte und letzte Imam (Mahdi) verschwand 880; die Schiiten erwarten seine Rückkehr und glauben, daß mit ihr die Welt gerecht werden wird.

Weitere Gemeinschaften (Sekten)

Aus der Schia haben sich mehrere kleine Glaubensgemeinschaften entwickelt, darunter als wichtigste die der Ismailiten.
Deren theologische Ideen sind radikaler als die der Schiiten; sie sind weitgehend von der Gnosis und vom Neuplatonismus beeinflußt. Die Ismaeliten leben vorwiegend in Indien und Pakistan, während andere aus Ostafrika nach Kanada emigrierten. Die Drusen entstanden aus den Ismaeliten und bildeten sich nach dem mysteriösen Verschwinden des ismaelitischen Fatimiden-Kalifen Al-Hakim, von dem viele Drusen glauben, daß er eine Inkarnation Gottes gewesen sei.
1841 behauptete der junge Schiit Mirza ali Muhammad aus Shìraz im Iran, der Bab (Tür, Tor; im übertragenen Sinn: Zugang zu Gott) zu sein und übernahm eine messianische Rolle. Seine Anhänger, die Babiten, wurden von der schiitischen Geistlichkeit mit Macht verfolgt, er selbst wurde 1850 exekutiert. Unter der Führung seines Schülers Mirza Husain Ali Nuri, genannt Baha Allah, entwickelten die Bahais (wie die Gruppe nun genannt wurde) eine synkretistische pazifistische Lehre, erklärten den Bahaismus als vom Islam unabhängige Religion, die u.a. auch in den USA viele Anhänger fand.

 

Der Islam in der Neuzeit

Nach dem Mittelalter stagnierte die islamische Kultur, so daß Idjtihad (das eigenständige Denken) wieder mehr in den Vordergrund rückte und religiöse Reformbewegungen entstanden. Im Gegensatz zu den hauptsächlich auf die Glaubenslehre und Philosophie ausgerichteten Bewegungen des Mittelalters waren die Anliegen der neuzeitlichen Bewegungen überwiegend soziale und moralische Reformen. Die erste derartige Bewegung waren im 18.Jahrhundert die nach ihrem Gründer Ibn Abd al-Wahhab genannten Wahhabiten. Diese wollten den Islam erneuern, indem sie ihn von Einflüssen zu befreien versuchten, die vom ursprünglichen Monotheismus abwichen.
Andere islamische Reformer wurden von westlichen Gedanken beeinflußt. Der einflußreichste Reformer des 19.Jahrhunderts war der Ägypter Muhammad Abduh, der davon ausging, daß Vernunft und modernes westliches Denken die Wahrheit des Islam eher bestätigen als in Frage stellen würden und daß die islamische Glaubenslehre in neuzeitlichen Worten neu formuliert werden könne. Sir Muhammad Iqbal ist der wichtigste neuzeitliche Philosoph, der eine neue Interpretation der islamischen Glaubenslehre entwickelte. Intellektuelle in Ägypten, der Türkei und Indien unternahmen es, die Lehren des Korans mit den Ideen in Einklang zu bringen, die mit der konstitutionellen Demokratie, den Naturwissenschaften und der Emanzipation aufkamen. Der Koran lehrt das Prinzip der "Herrschaft durch Beratung", das in heutigen Zeiten am besten durch repräsentative Regierungsformen und nicht mehr durch die Monarchie zu verwirklichen ist. Sie wiesen darauf hin, daß der Koran die Erforschung und Nutzbarmachung der Natur fördert und daß die Muslime einige Jahrhunderte lang in den Naturwissenschaften führend waren. Sie vertraten weiter die Auffassung, daß der Koran die Frauen rechtlich gleichgestellt habe, daß diese Rechte jedoch von den Männern an sich gerissen worden seien, indem diese die Polygamie massiv mißbraucht hätten.
Zwar basieren die modernistischen Gedanken auf plausiblen Interpretationen des Korans, sie wurden jedoch, besonders nach 1930, von den Fundamentalisten erbittert bekämpft. Der islamische Fundamentalismus, der als Reaktion auf den Modernismus die Rückbesinnung auf die Fundamente des Islam fordert, lehnt nicht die moderne Bildung, Naturwissenschaft und Technik als solche ab, sondern beschuldigt die Modernisten, Moralvorstellungen sowie Lebensformen der westlichen Welt zu verbreiten. So machen sie z.B. die Emanzipation der Frau nach westlichen Muster für eine permissive Sexualmoral und den Zerfall der Familie verantwortlich. Demgegenüber fordern sie, die Rechtsvorstellungen der Scharia als Staatsgesetz durchzusetzen. Weitere Gründe für das Aufkommen des Fundamentalismus liegen in der Unfähigkeit westlich orientierter Staatspräsidenten, die Situation der zumeist armen und rasch wachsenden Bevölkerung dieser Länder zu verbessern sowie darin, daß in breiten Bevölkerungsschichten noch immer Resentiments gegenüber den früheren Kolonialmächten bestehen, die ihren Ausdruck in der Abneigung alles Westlichen finden.

Weitere Info-Materialien:

Der Gnadenreiche Koran; Die Botschaft des Koran (Prof. Dr. S. Hayri Bolay); Der Islam (Prof. Dr. M. Hamidullah)
Islam lernen Islam leben (Dr. H. Achmed Schmiede)

Anmerkung: Das Heilige Buch der Moslems wird hier manchmal als Koran und manchmal als Quran geschrieben, gemeint ist aber immer das selbe.

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