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1640 - 1648 |
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Ibrahim I.

Ibrahim bestieg im Februar 1640 als jüngster
Sohn von Ahmed I den Thron des Osmanischen Reiches. Er wuchs
vollkommen abgeschieden auf, andauernd in Angst von seinen Brüdern
ermordet zu werden. Der Sultan war unfähig Regierungsaufgaben
zu erfüllen. Sein Großwesir
Kara Mustafa leitete Reformen in Finanz- und
Steuerwesen ein, um neue Geldressourcen für Ibrahims ausschweifendes
Palastleben zu erschließen. Die Walide und die Sultanin
sorgten für die Unterhaltung des Herrschers, indem sie immer
neue Haremsdamen fanden. Als das Gerücht aufkam, daß
eine Konkubine ein Verhältnis mit einem Hofdiener hätte,
ließ der Sultan 280 Frauen aus dem Harem ertränken.
Er verteilte hohe Staatsämter willkürlich
an unfähige Leute und nahm Bestechungsgelder an.
Dieses Verhalten hatte zur Folge, daß
sich sowohl das Volk als auch die Janitscharen und die Geistlichen
gegen ihn auflehnten. Sultan Ibrahim wurde im August 1648 abgesetzt
und erdrosselt. |
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1648 - 1687 |
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Mehmed IV. war 7 Jahre alt als er im Jahre 1648 zum Sultan ernannt
wurde. Die Staatsgewalt wurde von der Walide und dem Janitscharenkorps
ausgeübt. Innerhalb weniger Jahre wurde das Amt des Großwesirs
13 Mal neu vergeben. Mit dem Großwesir Köprülü
Mehmed Pascha konnte endlich ein fähiger Mann den Machtbestrebungen
des Harems ein Ende setzen.
Er kämpfte erfolgreich in Transsylvanien
und mit Hilfe des Khans der Krim konnte er die osmanische Vormachtstellung
in den Fürstentümern an der Donau behaupten. Großwesir
Köprülü Ahmed Paê a, der Sohn Köprülü
Mehmed Paê as, vervollständigte die Eroberung Kretas,
das seit Ibrahim I umkämpft war. Sultan Mehmed IV führte
selbst Feldzüge gegen Österreich an, mußte sich
aber in der Schlacht bei St. Gotthard an der Raab 1664 geschlagen
geben. Ein Krieg mit Polen 1672 endete für die Osmanen erfolgreich.
Nach dem Tod Köprülü Ahmeds 1676 ernannte der
Sultan Kara Mustafa Paê a zum neuen Großwesir. Kara
Mustafa führte Kriege gegen die Kosaken und gegen Österreich.
Zwischen dem 13. Juli und dem 12.September 1683 belagerte er
Wien vergeblich. Er wurde seines Amtes enthoben und hingerichtet.
In den folgenden Jahren gingen große Teile Ungarns an Österreich
verloren.
Nach Truppenrevolten wurde der Sultan im November
1687 abgesetzt. |
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1687 - 1691 |
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Süleyman II. Nach der Absetzung Mehmeds IV wurde
sein Bruder Süleyman II am 8. November 1687 zum Sultan erhoben.
Der Herrscher sah es als seine Aufgabe, ebenso glorreiche Taten
zu vollbringen wie sein Vorfahr Süleyman der Prächtige.
Nur mit größten Schwierigkeiten konnte das meuternde
und revoltierende Heer wieder zur Räson gebracht werden,
als es aus Ungarn nach Konstantinopel zurückkehrte. Die
Osmanen mußten im Jahre 1687 weitere Niederlagen in Ungarn
und Dalmatien hinnehmen. Sie verloren weiters Belgrad, Semendra
und im Jahre1689 Nisch. Zudem hatte der Sultan mit Renegaten
in seinen eigenen Reihen zu kämpfen.
Der Großwesir Köprülü
Mustafa Pascha reorganisierte das Heer und mit Hilfe einer tatarischen
Armee eroberte er im Jahre 1690 Belgrad, Nisch und Semendra wieder
zurück. Auch in Transsylvanien und Albanien war das osmanische
Heer erfolgreich.
Im Juli 1691 starb Sultan Süleyman II
in Edirne und wurde in der Türbe Süleymans I in Konstantinopel
beigesetzt. Seine hochgesteckten Ziele konnte er nicht in die
Tat umsetzen. |
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1691 - 1695 |
Ahmed II.
Der Bruder Süleymans II und Mehmeds IV, trat im Alter von
49 Jahren im Jahre 1691 die Thronfolge an. Während seiner
vierjährigen Regierungszeit konnte er keine militärischen
Erfolge verzeichnen. Kämpfe in Dalmatien, Polen und auf
der Insel Chios brachten weitere Niederlagen für die Osmanen.
Sultan Ahmed II starb im Februar 1695. |
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1695 - 1703 |
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Mustafa II.
war der älteste Sohn Mehmeds IV und kam im Februar 1695
an die Macht.
Er war ein fähiger Sultan nach altem
Vorbild und stellte sich an die Spitze eines großen Heeres,
mit dem Ziel die unter seinen Vorgängern verlorengegangenen
Gebiete zurückzuerobern. Es gelang ihm bis in den Banat
und nach Siebenbürgen vorzudringen und Temesvár einzunehmen.
In Karlowitz an der Drau wurde am 26. Februar 1699 Frieden mit
Österreich, Polen und Venedig geschlossen und im Jahre 1700
auch mit Rußland. Der Friedensschluß ermöglichte
es dem Sultan und dem Großwesir das Heerwesen neu zu ordnen,
doch zogen sich die beiden den Unwillen der Janitscharen zu,
da sie sich andauernd in Edirne und nicht in der Reichshauptstadt
Konstantinopel aufhielten. Die Janitscharenrevolte endete mit
der Absetzung des Sultans im Jahre 1703. Er verstarb im Dezember
desselben Jahres und wurde in der Hagia Sophia beigesetzt. |
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1703 - 1730 |
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Ahmed III.
wurde am 23. August 1703 Sultan des Osmanischen Reiches.
Er schaffte im aufrührerischen Janitscharenkorps Ordnung
indem er mehrere Führer hinrichten ließ. Im Jahre
1711 kam es zum Krieg mit Rußland:
Zar Peter der Große verfolgte die Politik
der sogenannten "Öffnung zu den Meeren", im Norden
zur Ostsee und dem Finnischen Meerbusen und im Süden zum
Asowschen- , Schwarzen- , und Marmarameer. Letztlich sollte auch
Konstantinopel erobert werden.
Der Schwedenkönig Karl XII marschierte
in Rußland ein, nachdem der Zar eine Offensive gegen Schweden
begonnen hatte. König Karl XII wurde 1709 bei Poltawa geschlagen
und konnte bei den Osmanen Zuflucht finden. Durch seinen Botschafter
Tolstoj forderte der Zar die Auslieferung des Schweden. Als sich
Sultan Ahmed III weigerte und den Botschafter ins Gefängnis
warf, brach 1711 der Krieg mit Rußland aus. In der Schlacht
am Pruth mußte sich der Zar geschlagen geben, einen Waffenstillstand
mit den Türken schließen und ihnen die Stadt Asow
überlassen. Endgültigen Frieden brachte jedoch erst
der Vertrag von Edirne 1713 mit Unterstützung von England,
Holland und Frankreich, die eine Expansion Rußlands verhindern
wollten.
Im Dauerkonflikt mit Venedig gab es Erfolge
für die Osmanen, als sie Korinth, Argos und Nauplia auf
dem Peloponnes einnahmen.
Das Osmanische Reich erklärte dem mit
Venedig verbündeten Österreich den Krieg. Am 5. August
1716 kam es bei Peterwardein zur Schlacht. Prinz Eugen von Savoyen
schlug die fast doppelt so starke osmanischen Streitmacht. Im
Oktober des selben Jahres wurde Temeswár eingenommen und
im August 1717 fiel auch Belgrad in österreichischen Hände.
In den Friedensverhandlungen von Passarowitz
1718 erhielten die Österreicher große Gebietszusprüche
wie, Teile der Walachei, den Banat, Teile Serbiens mit Belgrad
und Teile Bosniens. Mit Österreich wurde außerdem
ein Handelsvertrag und im Krieg mit Persien 1724 ein Teilungsvertrag
zwischen Rußland und dem Osmanischen Reich geschlossen.
Sultan Ahmed III mußte während
eines Janitscharenaufstandes zugunsten seines Neffen Mahmud I
abdanken und starb am 30. Juni 1736. Er hatte großes Interesse
an Tulpen und pflanzte 1200 verschiedene Arten in den Gärten
des Sarays. |
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1730 - 1754 |
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Mahmud I. Zu Beginn seiner Herrschaft 1730 beschenkte er die
aufständischen Janitscharen reichlich und sicherte so den
inneren Frieden. Die Staatsaufgaben wurden von sehr fähigen
Wesiren und Beamten geführt, wobei der KÏ zlar AÈ
a großen Einfluß hatte. Der Sultan widmete sich seinen
Interessen im Saray, doch unterließ er die teuren Treibjagden,
die seine Vorgänger zu veranstalten pflegten.
Während des Krieges mit Persien kam es
zum Konflikt mit Rußland, das im März 1736 die Festung
Asow von den Osmanen zurückeroberte. Mit Persien wurden
schließlich Friedensverhandlungen geführt, in denen
man sich auf die Grenzen zu Zeiten Murads IV einigte. Österreich,
der geheime Verbündete Rußlands, begann wieder Krieg
gegen die Osmanen zu führen. Zunächst verloren die
Türken Nisch an die Österreicher und Otschakow an die
Russen. Kurz darauf wurde Nisch zurückerobert und als ein
osmanisches Heer vor Belgrad stand, wurde der Frieden von Belgrad
1739 geschlossen, der die Stadt den Osmanen zusicherte. Danach
kam es zu einer länger andauernden Friedensperiode mit den
europäischen Staaten. Die diplomatische Tätigkeit der
"Hohen Pforte" war während der Regierung Mahmuds
I sehr angesehen.
Immer wieder aufflackernde Revolten der Janitscharen,
sowie das Loslösen der ägyptischen Mamluken-Beys hatten
eine stetige Schwächung des Reiches zur Folge, obwohl es
nach außen hin einen starken Eindruck machte.
Sultan Mahmud I starb am 13. Dezember 1754.
Er interessierte sich zeitlebens für die Wissenschaft, gründete
Bibliotheken und ließ zahlreiche Brücken und Klöster
in den Provinzen errichten. |
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1754 - 1757 |
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Osman III. ,
der Bruder Mahmuds I, kam im Dezember 1754 an die Macht. Während
seiner kurzen Regierungsperiode kam es weder zu außen-
noch innenpolitischen Konflikten.
Er übernahm die Verwaltungshandhabung
seines Vorgängers, doch waren seine Beamten und Wesire bei
weitem nicht so fähig und wurden oft gewechselt. Osman III
liebte es, sich in der Öffentlichkeit verkleidet zu bewegen,
um die Meinung des Volkes auszukundschaften. Hinrichtungen waren
an der Tagesordnung und das Volk selbst litt unter Armut und
Willkür. In den Jahren 1755 und 1756 verwüsteten große
Brände Konstantinopel.
Sultan Osman III starb am 30. Oktober 1757. |
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1757 - 1774 |
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Im Oktober 1757 wurde Mustafa III
zum Sultan erhoben. Bis zum Jahre 1762 unterhielt das Osmanische
Reich friedliche Beziehungen zu seinen Nachbarn. Während
der Regentschaft Katharina der Großen in Rußland
kam es zu aggressiven Grenzübergriffen auf das Khanat der
Krim und auf die osmanischen Gebiete in Georgien. Der Sultan
zögerte lange, erklärte aber schließlich 1768
Rußland den Krieg, der zur See und auch zu Lande ausgefochten
wurde.
Der Krieg wurde von der Zarin, die das Reich
völlig vernichten wollte, mit großer Rücksichtslosigkeit
geführt. Es wurde am Balkan, auf der Krim und in Georgien
erbittert gekämpft. An allen Fronten erlitten die Osmanen
empfindliche Niederlagen. Eine russische Flotte verheerte Städte
an der türkischen Schwarzmeerküste und drang bis zum
Bosporus vor.
Eine weitere Flotte, die von der Ostsee her
ins Mittelmeer vorgerückt war, vernichtete am 5. Juli 1770
mit Unterstützung der Engländer die osmanische Seestreitmacht.
Konstantinopel blieb von Kriegshandlungen verschont. Die Russen
eroberten die Krim und die Tataren unterwarfen sich. Im Jahre
1773 drangen die russischen Truppen erneut in Rumänien ein,
konnten aber Warna und Silistra nicht einnehmen. Der Sultan starb
plötzlich am 24. Dezember 1773 während des Krieges
mit Rußland. Sultan Mustafa III galt als guter Herrscher,
schaffte es jedoch nicht die militärische Desorganisation
in den Griff zu bekommen. |
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1774 - 1789 |
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Abdülhamit I.
Rußland bekam den freien Schiffsverkehr
im Schwarzen Meer und die freie Durchfahrt ins Mittelmeer. Außerdem
wurden das Asowsche Meer, die Krim, die Moldau und die Walachei
russisches Territorium.
Unruhen in Syrien und Palestina mußten
gewaltsam niedergeschlagen werden. Die Perser unter der Führung
des Krim Khan fügten den Osmanen bei Mosul und Basra im
Dezember 1776 schwere Verluste zu. Die "Hohe Pforte"
mußte tatenlos zusehen, wie sich Österreich der Bukowina
bemächtigte. Schließlich ging auch im Jahre 1778 Bessarabien
an die Österreicher verloren.
Sultan Abdülhamid I verstarb am 7. April
1789 an den Folgen eines Schlaganfalles.
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1789 - 1807 |
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Selim III.Der Sultan kam im April 1789 an die
Macht und begann sofort umfassende Reformen im Reich durchzuführen.
Zur Beschaffung neuer Finanzmittel wurden Lehn eingezogen und
die Truppen mit Hilfe französischer Militärberater
reorganisiert. Dennoch wurden seine Truppen im Krieg mit Österreich
und Rußland mehrmals vernichtend geschlagen. 1790 schloß
man den Friedensvertrag von Jassy, in dem die alten Vertragsbedingungen
von Kücük Kaynarca erneuert wurden. Der Herrscher legte
sehr viel Wert auf diplomatische Beziehungen mit allen europäischen
Ländern, speziell Frankreich. Das gute Verhältnis zu
den Franzosen fand ein jähes Ende als Napoleon seinen Feldzug
nach Ägypten durchführte. Der Sultan verbündete
sich mit den Engländern um den Aggressor zu bekämpfen.
Die Franzosen schlossen im Jänner 1800 einen Waffenstillstand
mit den Osmanen, doch wurden die Engländer vertragsbrüchig
und die Truppen des Sultans mußten sich im März nach
erfolglosem Kampf in die Wüste zurückziehen. Im März
1802 schlossen die Osmanen und Frankreich den Frieden von Amiens.
In Rumelien mußte die "Hohe Pforte"
Aufständische bekämpfen und in Serbien rebellierten
die Großbauern unter der Führung des Karadjordje (Kara
Georg). Die Festung von Belgrad war seit 1806 unter serbischer
Herrschaft. Die Osmanen konnten die Autonomiebestrebungen der
Serben nicht unterdrücken.
Die Janitscharen und andere Reformgegner schlossen
ein Komplott gegen den Sultan und setzten ihn im Mai 1807 ab. |
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1807 - 1808 |
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Mustafa IV.
Der neue Sultan Mustafa IV trat noch im selben Monat die Nachfolge
an. Bereits im Juni 1808 stürmten Anhänger des alten
Sultans Selim III den Palast, wo dieser gefangen gehalten wurde,
um ihn wieder auf den Thron zu setzen. Bevor die Truppen in das
Saray eindringen konnten, wurde Selim III hingerichtet. Die Anhänger
Selims sperrten Mustafa IV vorerst in den Kerker bis ihn der
neue Sultan Mahmud II ermorden ließ.
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1808 - 1839 |
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Mahmud II.
Bis zu seiner Thronbesteigung
im Juli 1808, lebte Mahmud II in Abgeschiedenheit von der Öffentlichkeit.
Er war der Sohn Abdülhamids I und der Französin Aimée
Dubucq deRivery.
Deshalb wurde er auch "Sohn der Französin"
und "Der christliche Sultan" genannt. Der Sultan hatte
mit großen innen- und außenpolitischen Schwierigkeiten
zu kämpfen.
Rußland, das seit 1806 die Donaufürstentümer
besetzt hielt und Expansionsbestrebungen zeigte, mußte
in Schach gehalten werden. Auf dem Balkan drohten Aufstände,
besonders in Bosnien und Serbien. In Ägypten waren die Mamluken,
die das Land ausbeuteten und korrupt regierten, zu einem großen
Unsicherheitsfaktor geworden. Mehmed Ali Paê a ließ
mit Billigung des Sultans 800 aufrührerische Mamluken-Beys
töten. Da die Wahabiten die heiligen Städte Mekka und
Medina erobert hatten, beauftragte die "Hohe Pforte"
im Jahre 1809 Mehmed Ali Paê a die Ordnung in Arabien herzustellen.
Er konnte mit großem Erfolg die Autorität des Osmanischen
Reiches wieder festigen.
Sultan Mahmud II leitete Reformen im Bildungs-,
Rechts- und Verwaltungswesen ein, stieß jedoch auf heftigen
Widerstand der Janitscharen. Die Janitscharen (Yeniceri) hatten
ihren Ruf als ruhmreiches Berufsheer eingebüßt. Ihr
Kampfgeist war im Laufe der Jahre geschwunden, sie trieben Handel,
hatten das Heiratsrecht erworben und waren sehr wohlhabend. Sie
wollten nicht auf ihre Bequemlichkeit verzichten. Zu Zeiten Sultan
Murad I um 1362 gab es ca. 1000 Janitscharen und zu Mahmuds II
Zeiten waren es bereits 140.000 Soldaten. Der Sultan entschloß
sich, die Janitscharen endgültig und erbarmungslos zu vernichten,
da er seine Reformbestrebungen sonst nicht verwirklichen konnte.
Auch das Volk stand nicht mehr auf der Seite der "Elitetruppe".
Am 15. Juni 1826 starben 8000 Janitscharen im Kanonenhagel der
sultantreuen Artillerie. In einem Ferman wurde die vollständige
Liquidation aller Janitscharen im Reich angeordnet, die im Jahre
1830 abgeschlossen war.
Ein Wahrsager hatte Mahmud II verkündet:"
Behältst du sie, wirst du durch sie umkommen. Entledigst
du dich ihrer, wirst du auch umkommen, nur anders." Und
so war es.
Das Osmanische Reich war an einen Abschnitt
seiner Geschichte gelangt, an dem es nur noch tragische Alternativen
gab. Indem er das Korps der Janitscharen ausrottete, hatte Mahmud
II die tragende Säule des Reiches aus vier Jahrhunderten
gestürzt, und doch konnte er nicht anders, wollte er dieses
Reich doch noch modernisieren.
Auf dem Peloponnes kam es bereits im Jahre
1820 und 1822 zu eher unbedeutenden Aufständen der Griechen.
Im Jahre 1824 erreichten die Unruhen ihren Höhepunkt in
der Belagerung der Stadt Missolonghi. Der Tod Lord Byrons während
der Kampfhandlungen alarmierte die Westmächte. Die türkische
Flotte wurde bei Navarino im Jahre 1827 von einer britisch-französisch-russischen
Seestreitmacht vernichtet. Durch den Vertrag von Adrianopel 1828
entstand ein unabhängiger griechischer Staat, der den Peloponnes
und einige Inseln umfaßte.
In den letzten Jahren seiner Herrschaft kämpfte
Mahmud II gegen Mehmed Ali Paê a von Ägypten, der
seinen Machtbereich innerhalb des osmanischen Staates ausdehnen
wollte.
Sultan Mahmud II starb im Juli 1839 in Istanbul.
Er war zwar mit seinen Staatsreformen nicht sehr erfolgreich,
führte aber doch Modernisierungen in der Gesellschaftsordnung
durch. Er schuf eine Ausbildungsstätte für Ärzte,
ein Quarantänesystem, ließ die erste Volkszählung
in Istanbul durchführen, gründete eine Zeitung, erließ
eine neue Kleiderordnung nach europäischem Vorbild und schuf
ein Regierungssystem mit einem Kabinett von Staatsministern.
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1839 - 1861 |
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Abdülmecid I.
Nachdem Abdülmecid im Juli 1839
Sultan geworden war, ließ er sofort den Dolmabah¸
e Palast als Privatwohnsitz erbauen. Für die Errichtung
des Palastes waren Unmengen von Geld notwendig, da er mit Marmor,
Gold und den prunkvollsten Einrichtungsgegenständen ausgestattet
wurde. Das große Saray blieb der Regierungssitz.
Unter Sultan Abdülmecid trat die Türkei
dem Viererbund (England, Rußland, Österreich-Ungarn,
Preußen) bei. Im Jahre 1853 drangen russische Truppen in
die unter osmanischer Oberhoheit stehenden Donaufürstentümer
ein. Daraufhin rief der Sultan England und Frankreich, die Rußlands
Expansion in den Mittelmeerraum fürchteten, zu Hilfe. Es
kam zum Krimkrieg, der bis 1856 dauerte und in dessen Verlauf
die Festung Sewastopol auf der Krim erobert wurde. Gemäß
der Friedensbedingungen von Paris 1856 wurden die Dardanellen
und der Bosporus für Kriegsschiffe gesperrt, Serbien, die
Moldau und die Walachei unabhängig, das osmanische Reich
behielt aber noch das Oberlehnsrecht.
Ein Erlaß des Sultans im Jahre 1856
gewährleistete Gleichheit für alle Bürger des
türkischen Staates, Nichtmoslems wurden zum Kriegsdienst
zugelassen. Dies führte zu Aufständen religiöser
Gruppierungen. Da Abdülmecid wegen seines verschwenderischen
Lebenswandels und seiner modernen Reichsführung sehr unbeliebt
war, sollte er ermordet werden, doch verstarb er unerwartet im
Juni 1861 im Alter von 38 Jahren. |
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1861 - 1876 |
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Abdülaziz wurde im
Juni 1861 Sultan. Auch er verschwendete die Staatsgelder für
private Zwecke, ließ prunkvolle Paläste erbauen und
feierte teure Feste. Um das Geld für seinen ausschweifenden
Lebensstil zu beschaffen, wurde das Reich gnadenlos ausgebeutet.
Selbständigkeitsbestrebungen Montenegros und Kretas, das
den Anschluß an Griechenland forderte, wurden im Keim erstickt.
Inzwischen steigerte sich die Verschwendungssucht
Sultan Abdülaziz ins Unermeßliche.
400 Musikanten, 200 Tierwärter, 300 Küchenangestellte
und 400 Stallknechte mußten bezahlt werden. Die Walide
kaufte täglich 50 Seidenkleider und verschenkte sie. Der
Sultan kaufte Panzerschiffe, ohne eine Besatzung dafür zu
haben und Lokomotiven, obwohl es keine Geleise dafür gab.
Abdülaziz jagte Hühner in den Räumen seines Palastes
und ließ Soldaten Scheinkämpfe austragen. Er hatte
panische Angst vergiftet zu werden und fürchtete sich vor
Feuer. Jährlich benötigte man 2 Millionen Pfund für
die Ausgaben des Sultans. 1875 war der Staat bankrott. In Bosnien,
Herzegowina und in Bulgarien kam es zu Aufständen und in
der Regierung zu einer Verschwörung gegen den Sultan. Abdülaziz
wurde im Mai 1876 abgesetzt und beging wenig später Selbstmord. |
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1876 - 1876 |
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Murad V
Murad V bestieg den osmanischen Thron im Juni
1876 und war stark alkoholabhängig.
Das Kabinett erhoffte sich im neuen Sultan
einen Befürworter dessen Reformen, doch der Herrscher war
aufgrund seiner Krankheit nicht fähig seine öffentlichen
und politischen Verpflichtungen wahrzunehmen. Ein Ärztekollegium
erstellte ein Gutachten über seinen Gesundheitszustand und
erklärte ihn für amtsunfähig. Nach seiner Absetzung
verstarb Murad V im August 1904. |
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1876 - 1909 |
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Abdülhamid II kam Im Jahre 1876 an die Macht. Er war der letzte
selbständige Autokrat des osmanischen Reiches. Seine grausamen
Repressionen und sein blutiger Regierungsstil brachten ihm den
Namen "der rote Sultan" ein. Abdülhamid II kam
in einer für das Reich sehr schwierigen Situation an die
Macht, denn Aufstände und Mißwirtschaft schwächten
das ohnehin schon zerfallende Reich noch mehr.
Innerhalb eines knappen halben Jahrhunderts
war aus dem "kranken" ein "sterbender Mann am
Bosporus" geworden.
>Sultan Abdülhamid II ließ den Palast
YÏ ldÏ z Köê k erbauen. Im Jahre 1877 witterten
die Russen erneut ihre Chance zum Mittelmeer vorzudringen und
erklärten der Türkei den Krieg. Es wurde gleichzeitig
an der Donau, im Schwarzen Meer, am Balkan und sogar bei Kars
an der Kaukasusgrenze gekämpft. An allen Fronten mußten
die Türken erhebliche Niederlagen hinnehmen. Es war den
Russen möglich aus Edirne vorzurücken und sie kamen
bis in die Nähe von Istanbul. Am 31. Jänner 1878 kam
es zu einem Waffenstillstand und im darauffolgenden Friedensvertrag
von San Stefano im Jahre 1878 diktierten die Russen den Türken
ihre Bedingungen. Durch diesen Vertrag verloren die Osmanen ihren
ganzen europäischen Landbesitz und durften nur Thrakien
bis zur Stadt Edirne behalten. Serbien, Montenegro, Bulgarien,
Bosnien - Herzegowina und Rumänien wurden selbständig.
Außerdem war es nun den Russen gestattet, die Meerengen
in Kriegs- und in Friedenszeiten zu passieren. Im selben Jahr
wollten sie erneut gegen die Türkei vorgehen, doch wandten
sich nun alle europäischen Großmächte gegen die
Russen, um deren Vordringen an das Mittelmeer zu verhindern.
Im Berliner Kongreß wurde der Vertrag von San Stefano rückgängig
gemacht.
Die kriegerischen Auseinandersetzungen der
Jahre 1877 und 1878 waren für die Russen nicht von nennenswertem
Erfolg gekrönt und die Türkei verlor nur wenig Land.
Sultan Abdülhamid II wurde zusehends
zu einem Tyrannen, der die Armenier in seinem Reich verfolgen
ließ und beschattete die Bürger durch ein Netz von
Spitzeln und Spionen. Im Gegenteil zu europäischen Großmächten
wie Großbritannien, Frankreich und Österreich-Ungarn,
die das osmanische Reich zu beseitigen versuchten, halfen die
Deutschen unter Kaiser Wilhelm II den Türken ihr Reich zu
stärken und ihr stark geschwächtes Heer neu zu organisieren.Durch
die allgemeine Unzufriedenheit gegenüber dem Sultan angeregt,
bildeten die Gegner
Abdülhamids II die Oppositionspartei
der "Jungtürken" im Jahre 1906, deren Führer
Enver Paê a war. Es kam zu bürgerkriegsähnlichen
Auseinandersetzungen, während dessen eine den "Jungtürken"
treue Armee nach Istanbul marschierte und Sultan Abdülhanid
II am 24. August 1908 absetzte. Er verstarb 1918 in Gefangenschaft
in Istanbul. |
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1909 - 1918 |
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Mehmed V verdankte es nur
den "Jungtürken" im April 1909 an die Macht gekommen
zu sein. Er war der erste konstitutionelle Machthaber des osmanischen
Reiches.
Gleich zu Beginn seiner Herrschaft mußten
die Türken ihre letzten Hoheitsrechte über Bosnien-Herzegowina
aufgeben, weil es von Österreich-Ungarn besetzt wurde. Bulgarien
erklärte sich ebenfalls für unabhängig. Im Krieg
mit Italien im Jahre 1911 mußten die Türken Tripolitanien
und die Stadt Tripolis selbst abgeben und verloren somit nach
Algerien (1830) und Tunesien (1881) ihre letzten Besitztümer
in Nordafrika. Im Oktober 1912 brach der erste Balkan-Krieg aus,
in dem sich alle Balkanländer gegen die Türkei verbündeten.
Sie rückten auf breiter Front vor. Die Türken mußten
schwere Niederlagen hinnehmen, doch Enver Paê a stellte
ein neues Heer auf und rückte gegen die Bulgaren vor, die
Adrianopel belagerten. Er wurde vernichtend geschlagen und im
Mai 1913 wurde ein Waffenstillstand geschlossen, durch den die
Türkei alle europäischen Besitztümer bis auf Istanbul
abgeben mußte. Im Juni 1913 brach der zweite Balkan-Krieg
aus, als Bulgarien seinen Verbündeten Serbien angriff, weil
sich die beiden Nationen nicht über die Aufteilung des gerade
erlangten Landes einigen konnten. Enver Paê a nützte
diese Situation, griff die Bulgaren, die Edirne besetzt hielten
an, und schlug sie. Durch diesen Sieg war die Türkei in
der Lage Ost-Thrakien zu behalten.
Im Ersten Weltkrieg kämpfte die Türkei
ab Oktober 1914 an der Seite der Achsenmächte. Zunächst
war es den Türken möglich zwischen Jänner und
August 1916 in der Kaukasusregion unter der Führung Mustafa
Kemal Paê as die weit in das Reich vorgedrungenen Russen
aufzuhalten und sogar hinter die Grenzen zurückzudrängen.
Mustafa Kemal gelang es ebenfalls die Franzosen und Engländer,
die an den Dardanellen gelandet waren, zurückzustoßen
und hinderte sie so daran nach Istanbul vorzudringen. Im Jahre
1917 starteten die Engländer eine Großoffensive gegen
die Türken in Palästina. Die Verteidigungsfront der
Osmanen bei Jerusalem wurde durchbrochen und die Stadt von den
Alliierten besetzt. Mustafa Kemal Pascha errichtete schnell eine
neue Verteidigungslinie bei Damaskus. Jedoch nahmen im Oktober
1918 die Engländer die Stadt ein und die Türken mußten
sich nach Norden zurückziehen, als sie die Nachricht vom
Ende des Ersten Weltkrieges erreichte.
Sultan Mehmed V verstarb überraschend
am 2. Juni 1918 noch bevor der Krieg zu Ende war. |
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1918 - 1922 |
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Mehmed VI (Vadüdiddin) Der letzte Sultan des einstmals so großen osmanischen
Reiches bestieg am 3. Juni 1918 den Thron. Schon wenige Monate
nach seinem Amtsantritt wurde der Waffenstillstand von Mudros
im Oktober 1918 unterzeichnet. Anhänger der "Jungtürken"
gingen ins Ausland.
Enver Pascha kämpfte in Turkmenistan
gegen die sowjetische kommunistische Rote Garde und fiel im Kampf.
Das Reich war für den Sultan unregierbar
geworden und es blieb ihm nichts anderes übrig, als die
Friedensbedingungen von Sévres im Jahre 1920, die von
der Entente diktiert wurden, anzuerkennen. Das osmanische Reich
wurde komplett aufgeteilt. Es entstanden griechische, italienische,
englische und französische Territorien, im Osten die unabhängige
Republik Armenien und das autonome Gebiet der Kurden. Den Türken
blieb ein unterentwickelter Landstrich rund um Ankara, ungefähr
von der Größe des ehemaligen Fürstentums des
Ertugrul. Seit dem Kriegsende schickte sich Mustafa Kemal Pascha
an eine Befreiungsarmee aufzubauen, um die Türkei vor der
angehenden Fremdherrschaft zu bewahren.
In den Jahren 1920 bis 1922 gelang es ihm
und seinen Truppen die Russen und Italiener aus der Türkei
zu vertreiben. Es war ihm ebenfalls möglich die Franzosen
von den ihnen versprochenen Gebieten fernzuhalten. Der Kampf
gegen die Griechen war auf beiden Seiten sehr grausam und verlustreich,
doch gelang es Mustafa Kemal Paê a die Griechen aus dem
asiatischen Teil der Türkei zu vertreiben und die Stadt
Izmir zurückzuerobern.
Um Ost-Thrakien den Griechen entreißen
zu können, durchbrachen Kemals Truppen die englischen Linien
an den Dardanellen bei † anakkale. Die Engländer zogen
sich aus der Türkei zurück und die Griechen mußten
die ursprünglichen Grenzen östlich der Maritza anerkennen.
Am 1. November 1922 setzte die Nationalversammlung
auf Drängen Mustafa Kemals das Sultanat außer Kraft
und der letzte Sultan Mehmed VI mußte das Land verlassen.
Er verstarb am 16. Mai 1926 im Exil. |
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Gazi Mustafa KamalPascha - Atatürk (Vater der Türken)
proklamierte am 29. Oktober 1923 die Republik und wurde zum ersten
Präsidenten. Er war Staatschef, Parlamentspräsident
und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Die Türkische
Volkspartei war die einzig zugelassene politische Partei. |
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